Legionellen, die Problematik in vielen Mehrfamilienhäusern.
Legionellenbefall ist in vielen Mehrfamilienhäusern mit zentraler Warmwasserversorgung ein Problem.
Sollte nach einem, alle 3 Jahre erforderlichen, Legionellentest ein Befall aufgezeigt werden, müssen Gegenmaßnahmen erfolgen.
Gegenmaßnahmen, die der Befallsituation entsprechen.
Die häufigste Befallsituation in Mehrfamilienhäusern ist ein Legionellenbefall von 100 – 1000 KBE pro 100 ml. Das ist die erste Stufe, bei der eine Gegenmaßnahme erforderlich ist.
Wie gehe ich in solchen Fällen vor?
Maßnahme 1, Aufheizen des Warmwassers für zwei Stunden auf über 70°C. Gefährdungsstellen, meist am Ende des Warmwasserstrangs, Wasser an den Zapfstellen ablaufen lassen bis die 70°C an den Ausläufen erreicht sind. Danach kann in dem Bereich von einer Legionellen Abtötung ausgegangen werden.
Maßnahme 2, Prüfen des Warmwasserspeichers und des Zirkulationssystems auf korrekte, zeitlich durchgängige Temperaturen. Wichtig, die Prüfung der Temperaturen am Ende eines Versorgungsstrangs.
Vorgeschrieben sind am Warmwasserausgang 60°C. in Mehrfamilienhäusern sollte die Warmwassertemperatur am Ende des Versorgungsstrangs nicht niedriger als 59°C sein.
Die Temperatur am Zirkulationseingang Speicher darf 55°C nicht unterschreiten.
Sollte die Heizzentrale in der Mitte eines Komplexes stehen, empfehle ich, die Warmwassertemperatur an beiden Endpunkten zu messen.
In vielen Fällen bestehen technische Fehler wie zum Beispiel Anbringort des Warmwasserfühlers oder zu leistungsschwache Zirkulationspumpen, weiterhin ein hydraulischer Abgleich des Zirkulationssystems.
Beschreibung und Maßnahmen am Ende des Aufsatzes.
Welche Maßnahmen werden in den meisten Fällen von Fachfirmen bei Legionellenbefall durchgeführt? Es werden einfach die Warmwassertemperaturen hochgestellt auf 70°C und auch mehr. Es wird dem Auftraggeber mitgeteilt, alles in Ordnung??
Bei den Temperaturmessungen Warmwasser und Zirkulation habe ich in Mehrfamilienhäusern erheblich zu hohe Warmwassertemperaturen gemessen. Die höchste, vorgefundene Warmwassertemperatur lag bei über 90°C. Das ist höchst gefährlich und kann im schlechtesten Fall tödlich enden.
Bei 60°C Warmwasserauslauftemperatur kann ohne Schadennahme das Warmwasser kurzfristig auf den Körper laufen. Ab 65°C Warmwasser besteht auch bei kurzfristiger Anströmung eine Verbrühungsgefahr.
Laut DIN 1717 ist bei zu hohen Warmwassertemperaturen ein Verbrühungsschutz an den Zapfstellen vorzusehen, das ist an den wenigsten Zapfstellen gegeben.
Was aber selten beachtet wird, ist die erhebliche Energieverbrauchssteigerung und eine erhöhte Legionellengefahr durch Temperaturhochstellen.
Sollte dümmlicherweise noch eine Warmwasservorrangschaltung in der Heizungsregelung, bei Großanlagen bestehen, kommt es zu Heizungsausfällen, die nicht selten über 50% der Heizzeit ausmachen. Als Gegenmaßnahme wird die Heizungsregelung an den Anschlag gestellt, was den Energieverbrauch der Anlage verdoppeln kann.
Weiterhin wird in Bestandsbauten und Bauten, in denen die vorgeschriebene Wärmedämmung der Rohrleitungen nicht gegeben ist, das Kaltwasser auf eine Temperatur von 30 – 40°C in der sich Legionellen- und Bakterienkulturen wohlfühlen und explosionsartig vermehren aufgeheizt. Das führt zu einer erheblichen Gefahr durch das aufgeheizte Kaltwasser. Es gibt bestimmt viele Menschen, die gern morgens das aufgeheizte Kaltwasser zum Duschen nutzen, läuft nicht über den Warmwasserzähler und ist warm. Irgendwann wundern sie sich, dass sie eine Lungenentzündung haben. Legionellen werden durch Wasserdampf eingeatmet. Sehr problematisch für Immungeschwächte Menschen.
Legionellen- Vergiftungen haben die gleiche Auswirkung auf den Körper wie Lungenentzündungen.
Je wärmer das Warmwasser im Zirkulationssystem, desto wärmer und gefährlicher das Kaltwasser.
Ein wichtiges Thema ist der Energieverbrauch in Warmwassergroßanlagen. (Was sind Warmwassergroßanlagen? Grob gesagt Anlagen mit Warmwasserspeichern 400l Inhalt oder mehr und/oder 3l Zapfleitungsinhalt. Diese Anlagen müssen zwingend dem Gesundheitsamt gemeldet werden und sie müssen alle 3 Jahre auf Legionellen geprüft werden).
Beispiele für die Energieverbrauchssteigerung durch zu hoch eingestellte Warmwassertemperaturen.
Beispiel: Gebäude, Weimarer Str.____ Verbrauch 99,3 kWh pro m² und Jahr
Warmwassertemperatur steht bei 60°C
Verbrauch aufgeteilt auf die einzelnen Wärmeverbraucher.
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Ausschnitt Wärmeabgänge aufgeteilt auf Verbraucher |
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Wärmeverlust Warmwasserzirkulation |
28.794,7 |
kWh |
22,4 |
% |
|
Wasseraufheizung von 8°C auf vorh. 60 °C |
12.083,3 |
kWh |
9,4 |
% |
Eine Anlage mit geringem Gesamtverbrauch, aber auch hier stimmt das Verhältnis Energieverbrauch/ Wasserzirkulation mit 28.795 kWh/a zur Warmwasseraufheizung mit 12.083 kWh/a nicht. Mit einer Wärmedämmung nach DIN würden sich die Zirkulation und Aufheizung die Waage halten.
Die gleiche Anlage 2 Jahre später, die Wassertemperatur wurde in dem Gebäude auf 76°C wegen Legionellenbefall angehoben, das bedeutet, dass der Verbrauch Warmwasseraufheizung auf 16.500 kWh,
der Verbrauch Warmwasserzirkulation 37.000 kWh und der Gesamtverbrauch auf ca. 115 kWh pro m² und Jahr gestiegen ist.
Ein Hochstellen der Warmwassertemperatur in zentralen Warmwassersystemen kann nicht nur zu Körperschäden führen, sondern ist auch ein erheblicher Verbrauchstreiber.
In der Anlage kann eine Wärmedämmung des Leitungssystems und korrekte Einstellung den Verbrauch um ca. 15.000 – 20.000 kWh im Jahr mindern.
In solchen Anlagen kann es nicht nur beim Feststellen der Problematik bleiben, es muss gehandelt werden. Das Warmwasser muss an allen insbesondere bis zur letzten Zapfstelle mit 60°C ankommen. Auf das Ziel muss gearbeitet werden, dann hat sich auch eine Legionellenproblematik Warmwasser erledigt. Die Legionellenproblematik aufgeheiztes Kaltwasser bleibt bestehen.
Welche Arbeiten würde ich durchführen?
Ich habe in solchen Fällen den Warmwasserfühler am Warmwasserausgang angebracht und damit die erheblichen Temperaturschwankungen zu beendet.
Wie kann in dem Fall vorgegangen werden? Empfehlenswert ist der Einbau von Zirkulationsregelventilen wie z.B. Multitherm von Kemper. Bei dem Einbau dieser Ventile muss dringen darauf geachtet werden, dass sie korrekt eingestellt werden. Im Auslieferzustand stehen sie meist auf einer Temperatur von über 60°C. Diese Temperatur bewirkt, dass die Ventile bei korrekt eingestellter Warmwassertemperatur von 60°C keine Funktion haben. Ich empfehle eine Einstellung der Ventile von 55°C, das ist die Mindesttemperatur für das Zirkulationssystem. Diese Ventile schließen nie ganz, es bleibt immer ein Durchfluss geöffnet.
Sollte der hydraulische Abgleich nicht ausreichen, um die korrekte Temperatur am Strangende zu erreichen ist der Einbau einer leistungsstärkeren Zirkulationspumpe erforderlich.
In solchen Fällen empfehle ich eine Einblasdämmung mit Brandschutzfunktion.
Das hat mehrere Vorteile.
Problem, irgendwann kommt ein pfiffiger Kundendienstmonteur und meint das ist ja alles falsch und baut es zurück, insbesondere den Warmwasserfühler des Speichers.
B.W.